Eibenheim

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Wer sagt "Hier herrscht Freiheit" der lügt. Denn Freiheit herrscht nicht. Erich Fried


Blog des Familienlandsitzes Eibenheim - über uns, unsere Lebensweise und Interessantes zu den Themen Selbermacher, FreiSein und alternative Lösungen für das Leben

Saubere Sache

SelbermacherGeschrieben von yella Di, September 25, 2018 11:48:48

Heute mal etwas, das schon viele machen, viele aber auch noch nicht, jedoch würden sie es gern tun:

Wir machen Seife!

In Anbetracht der Einsatzmöglichkeiten kann das Seifensieden schnell zum Lieblingshobby ausarten, denn die klassische Seife befreit nicht nur unser größtes Organ - die Haut - von Schmutz, darüber hinaus gibt es Haarseifen, Rasierseifen, Peelingseifen und vieles mehr. Damit wirst du nie wieder um ein originelles Geschenk verlegen sein, dass du sogar noch auf die individuellen Bedürfnisse des Beschenkten abstimmen kannst! Freunde mit empfindlicher Haut oder Allergien freuen sich sehr über Hautpflegeprodukte, bei denen sie sicher sein können, dass umstrittene Zusatzstoffe wie Silikone oder Konservierungsmittel gar nicht erst enthalten sind. Darüber hinaus sparst du mit deiner eigenen Seife (je nach Zutaten) auf die Dauer nicht nur Geld, sondern auch jede Menge Plastik ein, denn sämtliche Verpackungen, wie sie beispielsweise für Duschgel gebraucht werden, fallen hier weg.

Schon die Kelten verarbeiteten Ziegentalg und Asche zu Seife. Das ergab sicherlich kein sonderlich ansprechendes Ergebnis, der chemische Grundprozess war allerdings gegeben: Eine Lauge und ein Fett wurden miteinander „verseift“. Der moderne Seifensieder besorgt sich Natronlauge in der Apotheke und steht dann vor der Qual der Wahl eines geeigneten Pflanzenfettes. Hier eignen sich alle bekannten Speiseöle, die gern mit pflegenden Komponenten wie Kakaobutter kombiniert werden. Den Peelingeffekt liefern beispielsweise kleingehackte Kräuter, Farbe kommt mit Paprikapulver ins Spiel und die Nase wird durch natürliche ätherische Öle verwöhnt.

Wenn du nun neugierig geworden bist, dann bleib dran, gleich erkläre ich dir, wie das mit dem Seife machen geht! Darüber hinaus kann ich dir folgende Webseite empfehlen: www.naturseife.com. Hier findest du alles rund um das Thema Seifenherstellung, inklusive vieler Bezugsquellen für Zubehör und Zutaten. Wenn du lieber echtes Papier in der Hand hast, dann besorge dir das Buch von Claudia Kasper „Naturseife, das reine Vergnügen“!

Gut, los geht’s!

Wir stellen die sogenannte „kalt gerührte“ Seife her, das bedeutet, dass wir, im Gegensatz zu industriell hergestellter Seife, das Fett und die Lauge in kaltem Zustand zusammenbringen, so bleiben wertvolle Inhaltsstoffe in den Zutaten erhalten. Ausserdem verbleibt bei unserer Naturseife das beim Verseifungsprozess entstehende, für die Haut wertvolle, Glycerin in der Seife, wieder im Gegensatz zu industriell gefertigter Seife. Naturseife hat ebenfalls einen grösseren Anteil Wasser als industrielle Seife – dort wird dieses nämlich zusammen mit dem Glycerin entzogen. Deswegen solltest du darauf achten, dass deine Seife atmen und trocken darf, wenn sie nicht benutzt wird, sonst wird sie schnell zu weich und irgendwie schleimig…

Und noch etwas: Wir arbeiten mit Natronlauge (NaOH), wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine LAUGE, sprich sie hat ätzende Eigenschaften! Sorge deswegen bitte dafür, dass du dich selbst und deine Umgebung entsprechend schützt: Gummihandschuhe und lange Kleidung sind das Minimum für dich, achte aber auch zum Beispiel auf deine Augen – ganz vorsichtige Menschen greifen zur Schutzbrille. Kinder, Haustiere, unachtsame Ehemänner und ähnliches sollten aus der Seifenproduktions-Area entfernt werden, ebenfalls alles Essbare, das mit eventuellen Seifenspritzern „kontaminiert“ werden könnte. Du solltest vielleicht auch nicht gerade deine Lieblingsschüssel zum seifenrühren verwenden, am besten deklarierst du alte Utensilien, die du anderweitig nicht mehr verwenden möchtest, zum ausgewiesenen Seifengeschirr. Sollte doch einmal etwas Lauge an deine Haut oder sonst wohin, wo sie nicht hinsollte, geraten, stell dir eine Flasche mit Essig parat – damit kannst du die Lauge neutralisieren!

Jedes Fett hat spezielle Eigenschaften in der Seife, Kokosfett zum Beispiel, macht die Seife hart, schäumt aber nicht so gut, verseiftes Olivenöl braucht sehr lange, bis es aushärtet, schäumt aber gut – am besten sind also Fett-Kombinationen, in denen sich die positiven Eigenschaften der Fette gut ergänzen.

Gut, jetzt geht’s aber wirklich los!

Du brauchst als Grundausstattung:

- Einen Topf zum Schmelzen fester Fette

- Eine Waage

- Einen Behälter zum Mischen des Fettes mit der Lauge

- Einen (hitzeresistenten) Becher zum Anmischen der Lauge

- Einen, besser mehrere Rührlöffel und einen Pürierstab

- Ein Plastiksieb (kein Metall, das mag die Lauge nicht!!!)

- Ein Gefäß, in welches du die Seife einfüllst

- Folie zum Abdecken dieses Gefäßes

- Eine Decke zum Isolieren

Darüber hinaus brauchst du je nach Seifenrezept noch ein paar mehr Behälter, Rührlöffel usw.

Dazu kommen natürlich die Zutaten für dein individuelles Seifenrezept, ganz sicher brauchst du natürlich immer Natronlauge, diese rührt man sich in der Regel aus destilliertem Wasser und Natronpellets an. Das destillierte Wasser bekommst du in jeder Drogerie, das Natron über das Internet oder in der Apotheke.

ACHTUNG: Die Menge deiner Natronlauge errechnet sich aus der Art und Menge des verwendeten Fettes. Jedes Fett hat eine Verseifungszahl, mit der sich ausrechnen lässt, wieviel Natronlauge gebraucht wird. Seifenrechner findest im Internet, wie zum Beispiel diesen hier: http://www.tuula-seifen.de/seifenrechner.php

Vertraue keinem Rezept blind – prüfe die angegebene Laugenmenge immer selbst nach!

Ich mache heute mit dir eine „Orangenminze-Seife“ mit dem Kraut und einem milden Duft:

Verwendete Fette:

- Kokosöl 200g --- Verseifungszahl 0,1830

- Olivenöl 150g --- Verseifungszahl 0,1345

- Traubenkernöl 100g --- Verseifungszahl 0,1285

- Kürbiskernöl 100g --- Verseifungszahl 0,1350

Nun kommt etwas Grundlagenmathematik smiley

Die Ölmenge und die Verseifungszahl werden miteinander multipliziert – das ergibt die erforderliche Menge an NaOH, um das Öl komplett zu verseifen.

In unserem Fall:

200x0,1830 = 36,6 150x0,1345=20,17 100x0,1285=12,85 100x0,1350=13,5

In der Summe ergibt das 83,15 – also brauchen wir 83,15 Gramm Natronlauge, wenn wir unsere Fette komplett verseifen möchten. Da eine solche Seife allerdings recht scharf und daher hautreizend wäre, erhöhen wir den Fettanteil oder verringern den NaOH-Anteil, sodass nicht das gesamte Fett verseift wird - wir „überfetten“ die Seife. Normalerweise überfettet man mit 5-10%, wir probieren es hier mit 8%: 83,15 Gramm Natronlauge x 0,08 = 6,652 Gramm. Diese Menge ziehen wir von der errechneten Gesamtzahl ab: 83,15 – 6,652 = 76,5 Gramm (gerundet) NaOH

Die benötigte Wassermenge zum Auflösen des NaOH errechnen wir in diesem Fall aus der Fettmenge. Seifen mit bei Zimmertemperatur festen Fetten benötigen mehr Wasser, als solche mit flüssigen Ölen. Zur Ermittlung dividieren wir die Fettmenge einfach durch 3: 550g Fett = 180g Aqua dest. (gerundet)

Nun haben wir also schonmal unsere Grundzutaten parat: Fette und Lauge sind unter Dach und Fach!

Für die Orangenminze-Seife brauchen wir nun noch:

- Orangenminze (Kraut), dieses habe ich in ganz wenig Traubenkernöl mit dem Pürierstab zerhackt

- jeweils 10 Gramm Orangenöl und 10 Gramm Minzöl

Beides jeweils vorbereiten und auswiegen, sodass du im Herstellungsprozess keinen Stress bekommst.

Zum besseren Verständnis geht es jetzt mit "optischer Hilfe" weiter smiley


Nachdem wir nun unsere Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt haben, rühren wir zuerst die Natronlauge an. ACHTUNG: Dabei entstehen unangenehme Dämpfe, die nicht unbedingt eingeatmet werden sollten, auf ausreichende Belüftung sollte also geachtet werden. Außerdem erhitzt sich das Wasser beim Einrühren der Natronpellets, deswegen solltest du ein hitzebeständiges Gefäß benutzen. Nachdem du beide Komponenten zusammengebracht hast, rühre so lange, bis das Wasser wieder klar wird. Vor der Weiterverwendung sollten alle festen Bestandteile gelöst sein, da sie sich in der Seife nicht mehr weiter auflösen. Lasse das Ganze an einem geschützten Ort abkühlen:


Die Orangenminze wurde in Traubenkernöl püriert und die ätherischen Öle abgewogen:


Die Laugenabkühlzeit kannst du nutzen, um die im Rezept angegebenen festen Fette zu schmelzen, in diesem Fall ist das das Kokosfett. Verflüssige dieses in einem Wasserbad.

Wiege die anderen Ölmengen ab und gebe alle zusammen, auch das flüssige Kokosfett in den Behälter, in welchem du die Seife anrühren möchtest:



Nachdem die Lauge handwarm abgekühlt ist, gibst du sie DURCH DAS SIEB vorsichtig in die Fettmasse und rühren mit dem Rührlöffel beständig durch:


Nun bringen wir die Masse zum Andicken. Je nach verwendetem Öl kann das schnell gehen oder auch etwas länger dauern. Das hier verwendete Traubenkernöl braucht zum Beispiel länger zum Andicken. Manchmal ist nun also etwas Geduld gefragt. Um den Geduldsfaden nicht allzu sehr zu spannen, beschleunigen wir den Andickungsvorgang mit dem Pürierstab. Dabei Seifenspritzer und das Einbringen von Luftblasen möglichst vermeiden.

Die Masse wird jetzt recht schnell heller und undurchsichtig. Durch das Kürbiskernöl ist unsere Masse allerdings verhältnismäßig dunkel. Stetig weiter rühren (Pürierstab nicht überhitzen!) und zwischendurch immer mal wieder die Konsistenz testen. Sobald herunterfallende Tropfen nicht mehr versinken und das Ganze eine puddingartige Konsistenz bekommt, „zeichnet“ die Seife und der Moment ist gekommen, an dem wir die weiteren Zutaten beifügen können:



Die pürierte Orangenminze und die ätherischen Öle wandern nun in die Masse und werden untergerührt, bis sie gleichmäßig verteilt sind, am besten auch mit dem Pürierstab:



Nun kann die Masse eingefüllt werden, hierfür kannst du spezielle Seifenformen nehmen, da ich gern Dinge „upcycle“, verwende ich eine leere Tetrapackung. Das gibt der Seife später eine eher rustikale Form, dies passt meiner Meinung nach jedoch gut zu den natürlichen Inhaltsstoffen:



Die befüllte Form mit Folie gut verschließen und „schlafen legen“. Das heißt, du isolierst den Behälter mit einer alten Decke o.ä. für circa 24 Stunden. Auch während dieser Zeit sollten neugierige Familienmitglieder und Haustiere nicht an die Seife können:



Die Seife macht in dieser Zeit einiges an chemischen Veränderungen durch, bis sie schlussendlich als fester Block in der Form endet. Nun kannst du die junge Seife aus der Form holen und in Stücke schneiden. Nun ist leider wieder etwas Geduld gefragt – denn die Seife ist jetzt noch immer sehr scharf und muss erst reifen, dabei vollendet sich der Verseifungsprozess und die Seife wird milder. Dafür legst du sie nun für 6-8 Wochen an einen luftigen Ort aus:



Kaffeeseife, Orangenminze-Seife und Veilchenblätter-Seife:




Vor der endgültigen Verwendung solltest du deine Seife noch testen, entweder du besorgst die pH-Streifen oder du machst den „Kusstest“: Halte deine Zungenspitze kurz an die feuchte Seife – es sollte einfach nach Seife schmecken und darf auf de Zunge kein unangenehmes Brennen hinterlassen.

Und jetzt – endlich – ab unter die Dusche und Seife ausprobieren!!!!!! Viel Freude damit! smiley



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