Eibenheim

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Wer sagt "Hier herrscht Freiheit" der lügt. Denn Freiheit herrscht nicht. Erich Fried


Blog des Familienlandsitzes Eibenheim - über uns, unsere Lebensweise und Interessantes zu den Themen Selbermacher, FreiSein und alternative Lösungen für das Leben

Vom FLS leben

Idee FamilienlandsitzsiedlungGeschrieben von yella So, Juni 18, 2017 19:56:21


Gedanken rund um das Thema „von den Produkten des Familienlandsitzes leben“. Auch uns wird diese Frage des Öfteren gestellt.

Vorneweg muss man festhalten, dass die Idee der Familienlandsitze noch immer in den Kinderschuhen steckt, auch wenn sie nun schon mehrere Jahrzehnte alt ist. Die Realisierung in Europa ist möglich, geht aber aufgrund der bisher geltenden Gesetze, der Lebensumstände und finanziellen Möglichkeiten vieler sich einen Landsitz Wünschenden relativ langsam von statten. Somit muten die blumigen Beschreibungen von blühenden Familienlandsitzen tatsächlich ziemlich romantisch an, ich für meinen Teil finde diese Beschreibungen aber wichtig, um die Vision lebendig zu erhalten und ein Bild von dem zu gestalten, wo man hin möchte.


Es geht also um den Begriff ‚Selbstversorgung‘. Hier denken viele verständlicherweise in erster Linie an die autarke Versorgung mit Lebensmitteln. Ganz profan kann man es so sehen: Hat man das mit dem Gemüsegarten einmal raus und konserviert den Überschuss im Sommer für den Winter, ist schon ein guter Teil geschafft.

Es fehlen allerdings noch die vielen anderen täglich konsumierten Lebensmittel wie zum Beispiel Brot, Öl und sämtliche tierischen Erzeugnisse. Als Vegetarier verkleinert der Verzicht auf Fleisch die Menge der herzustellenden Produkte schon mal einiges, als Veganer produziert es sich noch leichter.

Möchte man nicht auf Fleisch und Milchprodukte verzichten, wird es eng auf dem Familienlandsitz, denn der alte Spruch „Eine Kuh – ein Hektar“ ist nicht übertrieben, wenn man bedenkt, dass Tiere auch im Winter fressen. Zu einer seriös durchgezogenen Selbstversorgung gehört nämlich auch die Futtergewinnung für die Tiere, sprich Heu für die Kuh.

Bei einigen anderen Produkten wird es noch schwieriger mit der eigenen Herstellung:

Die Fläche, die zur Ölproduktion - beispielsweise aus Sonnenblumen oder Ölkürbissen - benötigt würde, übersteigt die Kapazitäten eines Hektars und bei sogenannten Luxusgütern wie Schokolade bräuchte es in unseren Breiten noch zusätzlich einen Goldesel für den Bau des Gewächshauses rund um die Kakaobohnenplantage.

Daneben ist von Belang, wo und wie mein Familienlandsitz gelegen ist und was darauf passierte, bevor ich anfing, ihn in einen Raum der Liebe zu verwandeln. Die wenigsten Landstücke sind heute noch mit fruchtbarer Erde und einem intakten Mikroklima gesegnet. Das bedeutet, bevor ich wirklich von Erträgen reden kann, steht erst einmal die Bodenregeneration, das Anlegen eines Mischwaldes/Heckengürtels, die Regulierung des Wasserhaushaltes usw. an. Das kann mitunter Jahre dauern und erfordert Arbeitseinsatz und Geduld.

Darüber hinaus möchte Mensch ja auch noch in etwas wohnen, sich in etwas kleiden, auf etwas schreiben/zeichnen, man braucht Werkzeuge, Küchengeschirr usw. Das heißt, konsequenterweise müsste ich für Baumaterialien, Stoffe, Papier und Gerätschaften ebenfalls Ressourcen auf meinem Familienlandsitz haben.

Es stellt sich also allerspätestens an diesem Punkt die grundsätzliche Frage: „Was brauche ich wirklich? Was tut mir wirklich gut?“ Eine ehrliche Auseinandersetzung mit diesen Fragen bringt meist die vielen kleinen Überflüssigkeiten ans Tageslicht und hilft, die individuellen Grundlagen für eine vernünftige eigenverantwortliche Versorgung wahr werden zu lassen und realistisch mit den Grenzen der Selbstversorgung umzugehen.



Wenn ich in einer funktionierenden Familienlandsitzsiedlung lebe, ist es sicherlich naheliegend, für Erzeugnisse, die in größerer Menge benötigt werden oder die mehr Platz brauchen als ein Hektar hergibt, gemeinschaftliche Felder zu bearbeiten. Als einzeln wirtschaftender selbstversorgender Familienlandsitz müsste man sich seinen Absatzmarkt für Überschüsse suchen und den eigenen Bedarf auf die zu realisierende Produktionsmenge herunterschrauben.

Der Vorteil einer (entstehenden) Familienlandsitzsiedlung ist auch, dass die Nachbarn sich gegenseitig mit Gerätschaften usw. aushelfen können, allerdings muss man sehr sensibel dafür bleiben, dass hier kein Ungleichgewicht á la „einer hat alles und alle anderen leihen es sich bei ihm“ entsteht. Dies kann sich zu einer Machtposition des einen Besitzenden entwickeln, umgekehrt kann der Besitzende sich auch ausgenutzt fühlen, da er Geld für den Kauf der Gerätschaften ausgeben musste, während alle anderen davon profitieren.

Ich persönlich kenne keinen Familienlandsitz, der es schon geschafft hat, ohne Geld auszukommen und der sich selbst komplett versorgt, jeder steht noch mehr oder weniger mit einem Bein im Hamsterrad. In meiner Nachbarschaft gibt es zwar Familienlandsitzer, die ihre Ansprüche auf bewundernswerte Weise den Gegebenheiten ihres Hektars angepasst haben, aber auch sie benötigen Geld, beispielsweise für den Bau eines Häuschens und für den Unterhalt eines Autos.

Durch den Aufbau eines autarken Lebensraumes lässt sich allerdings über die Zeit tatsächlich einiges an Geld einsparen, sodass das, was benötigt wird, auch leichter auf und durch den Familienlandsitz eingebracht werden kann. Neben der schon mehrfach erwähnten Abgabe von Überschüssen aus dem Garten haben Familienlandsitzer, die keinem regulären 8-Stunden-Beruf mehr nachgehen müssen, weil sie das dadurch verdiente „viele“ Geld schlichtweg nicht mehr brauchen, mehr Zeit, sich ihren wahren Berufungen zu widmen. Die aus dieser Berufung entstandenen Produkte lassen sich ebenfalls wiederum in Geld umsetzen und das ist nun wirklich keine romantisierte Beschreibung mehr, sondern pure Realität. :-)




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