Eibenheim

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Wer sagt "Hier herrscht Freiheit" der lügt. Denn Freiheit herrscht nicht. Erich Fried


Blog des Familienlandsitzes Eibenheim - über uns, unsere Lebensweise und Interessantes zu den Themen Selbermacher, FreiSein und alternative Lösungen für das Leben

Ungarn - das Land an sich und unsere Umgebung

Das LandGeschrieben von yella Do, Dezember 28, 2017 14:08:37
da wir unsere Webseite abspecken, packe ich die frühen Berichte über unsere Umgebung hier in den Blog:



Ich gebe es zu, bevor ich - Yella - hierher zog, hatte ich keinen blassen Schimmer von Ungarn. Hätte man mir gesagt es liege am Meer, ich hätte es geglaubt. Hätte man mir gesagt, dass ich mal in einem Landstrich namens „Westtransdanubien“ wohnen würde, hätte ich geantwortet „Niemals! Da wird man doch vom Vampir gebissen!“

Nun, ich stellte fest, dass Ungarn ein Binnenland ist und bisher recht vampirfrei daher kommt.

Wir leben am Dorfrand von Nemessándorháza, einem dreihundert-Seelen-Dorf im Westen von Ungarn. Im Dorf selbst gibt es einen kleinen Laden und , je nach Pachtsituation, eine kleine Kneipe. Im Nachbardorf Búczúszentlászló gibt es noch einen weiteren Laden, ebenfalls eine Kneipe, eine Bank, eine Poststation, einen Internetzugang und einen Allgemein-, Zahn- und Tierarzt (nicht in einer Person!) und seit Neustem eein Solarium. :-) Die Landschaft ist leicht hügelig, dichte Wälder wechseln sich ab mit landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die nächste größere Stadt ist Zalaegerszeg, ca. 15 km entfernt.

Ungarn wird von sieben Ländern umgrenzt: Österreich, Kroatien, Rumänien, Serbien und Montenegro, Slowakei, Slowenien und der Ukraine. Davon sind Österreich, Kroatien und Slowenien binnen einer guten Stunde Autofahrt von unserem Wohnort aus zu erreichen. Graz ist ungefähr zweieinhalb Stunden entfernt, genauso wie Budapest, welches in die entgegengesetzte Richtung liegt. Ungarns berühmter Binnensee, der Plattensee, auf Ungarisch Balaton genannt, liegt eine halbe Fahrstunde von uns entfernt, daneben gibt es viele Thermalbäder in der nahen Umgebung, unter anderem den berühmten Thermalsee Hevíz.

Ungarns Klima liegt im Übergang vom atlantischen zum kontinentalen Klima, das bedeutet eher trocken-kalte Winter und eher trocken-warme Sommer.

Kulturell gibt es kleine Unterschiede, zum Beispiel was das Essen angeht: Fleisch und recht schwere Speisen dominieren die Speisekarte, Vegetarier wie wir haben meist nur eine ziemlich kleine Auswahl, obwohl der klassische Gemüsegarten in den Dörfern eigentlich Bestandteil jedes Grundstückes ist. Im Sommer wachsen überall in den Vorgärten die buntgeblümten Kittelschürzenpopos der ungarischen Mütterchen empor, die mit gekrümmtem Rücken in der Erde wühlen.

Obwohl die Preise für nahezu alle Gegenstände des täglichen Gebrauchs fast das Niveau von Deutschland erreichen, beträgt der ungarische Durchschnittslohn nur um die 400 Euro, aus diesem Grund reißen sich viele Ungarn um Gelegenheitsjobs und schuften auch am Wochenende um etwas dazu zu verdienen. Seit Ungarn in der EU ist, wachsen auch hier die Filialen der Großkonzerne wie Pilze aus dem Boden, in Zalaegerszeg finden sich alle großen Anbieter: Aldi, Intersport, Mediamarkt usw., ein Großteil der Produkte natürlich unbezahlbar mit 400 Euro Lohn.

Sinti und Roma stellen mit 10% Bevölkerungsanteil die größte Minderheitengruppe in der Bevölkerung Ungarns dar.

Ungarisch gehört zur ugrischen Gruppe der uralischen Sprachfamilien und ist als Sprache nicht zu vergleichen mit den in Deutschland und in der Schweiz gängig gesprochenen Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch oder Spanisch. Man sagt, es sei entfernt dem Finnischen und Estnischen ähnlich. Grammatikalisch völlig anders aufgebaut und von den Wortlauten auch nicht herzuleiten, gilt es, sich mit Disziplin dahinter zu klemmen und auswendig zu lernen. Die Ungarn reagieren begeistert, wenn man als Ausländer ihrer Sprache mächtig ist, denn sie sind es nicht gewohnt, dass sich jemand die Mühe macht, sie eigens zu lernen.

Der Ungar an sich ist ein geselliger und gastfreundlicher Mensch. Kommt man zu einem Ungar auf Besuch, dauert es nicht lange, bis der allseits beliebte „Palinka“, ein Obstbrand, auf dem Tisch steht. Die ungarische Hausfrau hat eigentlich immer irgendetwas Selbstgebackenes da, dazu gibt es Kaffee und Wein, den viele Ungarn in ihren kleinen Weingärten selbst anbauen.






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Wie alles begann anno 2009...

Das LandGeschrieben von yella Do, Dezember 28, 2017 14:06:05
... da wir unsere Webseite abspecken, packe ich die frühen Berichte über unser Land auch hier in den Blog:

Wir fuhren mit zwei bis an die Decke mit Zeug und Tieren vollgepackten Autos nach Ungarn, ich war extrem gespannt, wie mein neues Zuhause wohl aussehen würde, stellte es mir schon ziemlich spektakulär vor, da Christoph, der natürlich total verliebt in sein Land war, mir alles schon ausführlich in den schillerndsten Farben geschildert hatte, sodass vor meinem geistigen Auge eine üppig blühende Landschaft mit jeder Menge Obstbäumen und lauschigen Plätzchen entstanden war. Heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, da ich ja erstens eigentlich schon Christophs Fotos vom Land gesehen hatte und zum Zweiten Landschaften mit mitteleuropäischem Klima generell Anfang April noch nicht gerade üppig blühen, aber mein geistiges Auge sah das definitiv anders…


So erblickten meine echten Augen eben diesen Hektar, der nun auch meiner sein sollte, auf dem sich nichts befand als Gras, Robinien und ein paar Kirschbäumchen, wilden Äpfeln und Birnen, alle etwa schulterhoch und im Vorfrühling noch kaum als solche zu erkennen. Desweiteren stand da ganz verloren ein kleiner Wohnwagen, der bis auf weiteres unser neues Zuhause wurde. Diesen bezogen wir auch gleich und Christoph stellte mir quasi jeden einzelnen Grashalm persönlich vor. Unser Hektar ist nahezu quadratisch, umfasst also eine Fläche von hundert auf hundert Metern, ziemlich genau nord-süd-ausgerichtet; und wird von einem Holzzaun eingefasst, den im Laufe der Zeit eine lebendige Hecke aus Bäumen und Sträuchern ersetzen soll. Das obere Drittel ist eben, der Rest des Landes fällt sanft einen Hügel hinab. Jenes ebene Stück Land ist recht dicht bewachsen mit Robinien und bildet nun unseren kleinen „Privatwald“ rund ums Haus, auf dem Rest des Grundstücks finden sich die Robinien noch vereinzelt. Wir versuchen stetig einige zu fällen und durch andere Bäume zu ersetzen. Der Boden besteht aus schwerem Lehm und es gibt nicht einen Stein. Lehmboden bildet an sich eine gute fruchtbare Basis für mehr, hat jedoch auch die Eigenschaft bei Trockenheit sehr zu stauben und zu einer Art schmierseifeähnlichem Untergrund zu mutieren, wenn es regnet. Das erfreut das rallyebegeisterte Herz bei der Zufahrt zu unserem Grundstück bei schlechtem Wetter und treibt den Adrenalinspiegel von zarter besaiteten Seelen in ungeahnte Höhen.

Einen Teil des Hektars ließen wir pflügen und legten einen Gemüsegarten an. In Christophs erstem Jahr und zum größten Teil auch noch im zweiten Jahr verschwand im Sommer alles unter hüfthohen Goldruten, es bildete sich zusammen mit den Robinien wahrhaftig ein "Dschungel“. Stetiges Mähen half dem Rest der Vegetation langsam die Oberhand zu bekommen und es war interessant zu beobachten, was sich so durchsetzen konnte. In einem Jahr gewann die wilde Möhre das Rennen gegen die Goldruten und im Nächsten hatte sich schon eine schöne gemischte Magerwiese mit einer Vielzahl an Gräsern herausgebildet. Auf dem gesamten Hektar, vor allem im Bereich des Zaunes, der ja zur Hecke verwachsen soll, pflanzten wir Bäume. Im Hektar eher Obstbäume, in der Hecke eher Laubbäume, Ausserdem veredelten wir die ganzen wilden Apfel- und Birnbäume. Nun, Ende 2011, wuchsen in unserer Hecke Ahörner, Birken, Lärchen, Linden, Ulmen, Eichen, Blauglockenbäume, Edelkastanien, Rosskastanien, Tannen, Kiefern und auch Thujas, Gingko, Pappeln, Erlen, Walnuss, Zierkirschen und jede Menge Sträucher wie Sanddorn, Flieder und Haselnuss, alles natürlich noch in den Kinderschuhen. Wer unser Grundstück betritt, hat nun nicht mehr das Gefühl einen Dschungel zu betreten, nicht zuletzt wegen des Hauses, welches sofort ins Auge fällt. Mittlerweile entdeckt man aber auch Blumenbeete, eine Kräuterschnecke, einen Hühnerstall und einen Bienenkasten im üppigen Grün und es gibt einen gemähten „Wandelweg“ durch das ganze Grundstück. Wir schaffen es, von Jahr zu Jahr immer ein weiteres Stückchen Land zu beseelen und es gibt noch jede Menge Pläne, wie zum Beispiel dem Bau einer Sauna und das Anlegen eines Sees…




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